Was ist Giralgeld und wieso kostet das Abheben von Bargeld Gebühren?

Was ist Giralgeld? Wer sich mit dem Thema Banken, Finanzkonzerne und Weltwirtschaft auseinandersetzt, der stößt zwangsläufig auf diesen Begriff.

Ob wir eine Mastercard, eine Visa Card oder eine Kreditkarte von American Express benutzen, hängt davon ab, wozu wir diese Karte benutzen möchten. Mit der kostenlosen DKB Visa Card heben wir weltweit gratis Bargeld am Automaten ab. Das können wir in allen Währungen tun und bezahlen als Aktivkunde keinen Cent dafür. Interessant ist die Revolut Mastercard aus Metall, denn diese Karte macht es möglich, Meilen bei Miles and More zu sammeln, wenn wir Lastschriften einlösen.

Je mehr Kartenprodukte wir uns genauer anschauen, desto schwerer fällt uns die Auswahl. Eines ist aber Fakt: es ist nur in wenigen Fällen möglich, kostenlos Bargeld abzuheben. So ist dies beispielsweise mit keiner einzigen Kreditkarte von American Express machbar.

Die Hürden beim Abheben von Bargeld mittels Kreditkarte

Als Kunde von American Express ist es zwar prinzipiell möglich Bargeld am abzuheben, die Hürden dafür sind aber höher als bei den Konkurrenten Visa und Mastercard. Zum einen ist mindestens 6 Monate nach Ausstellung der American Express Karte eine erneute Bonitätsprüfung erforderlich, zum anderen werden immer mindestens 2 % Gebühren fällig. Die zweite Bonitätsprüfung ist auch bei der American Express Platinum Card notwendig! Selbst bei den Karten von Mastercard und Visa gibt es nur wenige Vertreter, mit denen wir gebührenfrei Bargeld abheben können.

Aus diesem Grund möchten wir der Frage nachgehen, wieso das eigentlich bei vielen Kreditkarten mit hohen Kosten verbunden ist und der bargeldlose Zahlungsverkehr gefördert wird.

Bargeld ist real, Giralgeld gibt es nur virtuell

Wenn wir mit der EC-Karte oder mit der Kreditkarte zum Geldautomaten laufen, dann stecken wir die Karte hinein, geben die Geheimzahl ein und heben einen bestimmten Betrag ab. Am Ende haben wir ein paar Scheine in der Hand. Den gleichen Effekt kennen oder kannten wir auch, wenn wir zu Oma und Opa gehen. Nur brauchen wir dann keine Karte und auch keine Geheimzahl. Unser Kontostand auf dem Girokonto wird nicht kleiner, nachdem wir den Schein von „Opa’s Bank e.V.“ in den Händen halten. Wenn dann der vom Opa 🙂

Zwischenzeitlich sind die meisten von uns erwachsen und müssen selbst für die Reisekosten aufkommen. Dafür nutzen wir im Ausland das Prozedere mit der Karte. Doch was passiert hinter dem Automaten? Wie funktioniert eine Kreditkartenzahlung überhaupt?

Weil der Geldschein nicht digital weitergeleitet werden kann, läuft ab jetzt alles Weitere über das sogenannte Giralgeld ab. Das ist auch beim Händler so: Der Metzger gibt uns ein leckeres Steak, wir geben Ihm Bargeld und er zahlt es dann bei der Bank ein, um seine laufenden Rechnungen zu begleichen. Die meisten Rechnungen werden mit Giralgeld beglichen. Doch was genau ist das denn nun?

Giralgeld ist ein künstlich erzeugtes Geld, welches nicht real existiert

Giralgeld wird auch Buchgeld genannt. Damit kommen wir der Sache schon näher. Es existiert nur in den Büchern oder auf dem Kontoauszug bzw. zwischenzeitlich auf dem Bildschirm. Wenn wir Gehalt vom Arbeitgeber bekommen, dann wird der Kontostand auf dem Konto des Chefs zu einer kleineren Zahl und unser Kontostand wird größer. Geldscheine oder Münzen gibt fast gar nicht mehr. Das Geld, welches von einem zum anderen Girokonto transferiert wird, wird deswegen Giralgeld genannt. Dabei leitet sich das Wort vom Italienischen „Giro“ ab, was so viel wie Kreislauf oder Rundlauf bedeutet. Damit wird auch charakterisiert, was dieses Geld eigentlich tut: es geht von Konto zu Konto und vielleicht kommt es mal wieder zurück. Aber eben nur digital, also virtuell. Es ist also eine Art von Geld, das nicht real vorhanden ist, da wir das weder sehen noch anfassen können. Das Gleiche erleben wir bei den Kreditkartenzahlungen. Wir tanken an der Tankstelle bei Shell (dabei nutzen wir die Miles and More Mastercard, weil dort die Meilengutschrift höher ist), legen die Karte auf das Lesegerät und schon wird am Monatsende eine höhere Kreditkartenabrechnung fällig. Damit sinkt unser Kontostand auf dem Girokonto.

Zwischenzeitlich wächst das Girokonto des Tankstellenbetreibers um den gezahlten Betrag an. Später überweist der Tankstellenpächter wieder eine Rechnung irgendwo hin und die virtuelle Zahl auf dem Konto wird kleiner, dann zahlt wieder jemand mit Karte… Das virtuelle Geld dreht seine Kreise (Giro).

Wie wird aus Giralgeld dann Bargeld?

Das Bargeld wird in Form von Noten oder Münzen von den nationalen Notenbanken ausgegeben. In Europa ist das die Europäische Zentralbank. Damit handelt es sich um ein gesetzlich legitimes Zahlungsmittel. Die Tatsache, dass wir damit weder Steuern, noch die blöde GEZ bezahlen können, sorgt immer wieder für Unmut und zahlreiche Gerichtsverfahren. Eigentlich müsste ein gesetzlich legitimes Zahlungsmittel auch vom Gesetzgeber (dem Staat) akzeptiert werden. Das ist nun aber nicht unser Thema, denn das klären die Richter.

Sobald wir unser Guthaben auf dem Girokonto abheben möchten, oder einen Teil davon, muss das Giralgeld irgendwie in Bargeld verwandelt werden. Unser virtueller Kontostand wird kleiner, dafür halten wir aber ein reales Zahlungsmittel aus dem Automaten in den Händen. Unser virtueller Kontostand ist geschrumpft, unsere „reale“ Zahlkraft gestiegen. Dieses Geld können wir nun nehmen und uns am breiten Sandstrand von Maspalomas ein Eis kaufen. Neben der Tatsache, dass eine gewisse Menge an Bargeld im Umlauf ist, der Eisverkäufer das Bargeld bei der Bank einzahlt und ein anderer Kunde das Geld am Automaten der gleichen Bank abhebt, kann es aber sein, dass die Kunden mehr Bargeld abheben möchten, als bei der Filialbank vorrätig ist. In dem Fall bezieht die Filialbank das Bargeld bei der Zentralbank. Da sie dort selbst Konten unterhält, findet eine Art Tausch statt. Der Aufwand ist relativ hoch.

Bei unseren Recherchen haben wir festgestellt, dass der Anteil des Buchgeldes nicht nur höher, sondern wesentlich höher ist, als der des Bargeldes. Damit wird das Problem schon deutlicher.

Wie entsteht Geld?

Klar, die Banknoten werden gedruckt und die Münzen geprägt. Die Kontrolle über die umlaufende Menge hat die Zentralbank. Das ist einfach!

Aber wie entsteht dieses virtuelle Geld? Die Antwort ist denkbar einfach: nur virtuell und auf Knopfdruck!

Sobald eine Bank einen Kredit vergibt, erzeugt sie künstliches Geld. Das trifft auch auf den Kreditrahmen der Kreditkarte zu. Auf Knopfdruck taucht dann einfach ein konkreter Kreditrahmen auf dem Kartenkonto oder dem Girokonto auf. Dadurch erhöht sich natürlich virtuell die Menge an Giralgeld.

In diesem Zuge wird nun auch unsere Kreditkarte einsatzfähig. Sobald wir also mit der Kreditkarte einen Umsatz tätigen, wird unser zur Verfügung gestelltes virtuelles Geld weniger.

Wir haben uns also Geld bei der Bank geliehen. Wenn wir am Monatsende die Kreditkartenrechnung begleichen, sind wir wieder schuldenfrei. Natürlich verläuft irgendwie auch die Abrechnung und der Ausgleich virtuell, denn Bargeld bringen wir nicht zu American Express nach Frankfurt. Crazy!

Wo liegt das Problem aus Giralgeld das Bargeld zu machen?

Theoretisch können wir nun hergehen und das Geld am Automaten abheben. Unser Guthaben auf dem Girokonto oder unser Kreditkartenlimit des Kreditkartenkontos wird schon noch etwas hergeben. Technisch gesehen wäre es auch kein Problem, denn die EZB druckt ja genügend Bargeld nach und bringt es in Umlauf.

Liebe EZB, bitte druckt mal ein paar Scheine!

Was technisch funktionieren würde, wäre wirtschaftlich aber nicht kontrollierbar und würde zu großen Problemen führen.

Okay, okay! Die EZB überschwemmt regelmäßig die Märkte mit Banknoten und die Probleme merken wir auch.

Es muss alles reguliert werden und so bleibt die vorhandene Menge an Bargeld limitiert. Allerdings geht das nur so lange gut, wie sich die Bilanz annähernd im Rahmen hält. Denn sobald die Menschen Ängste um die Ersparnisse haben, kann das Kartenhaus einstürzen.

Das Risiko dabei wäre, dass wir alle mehr Bargeld abheben, als die Bank überhaupt hat. Auch wenn die EZB druckt und druckt, lässt sich Giralgeld viel schneller aus dem Nichts schaffen.

Dieses Problem ist uns aus Griechenland bekannt. Die Menschen stürmten zur Bank und wollten ihre Ersparnisse als Bargeld abheben. Wie wir nun wissen, kann das nicht funktionieren.

Das Ungleichgewicht zwischen Bargeld und Buchgeld ist allerdings keine Angelegenheit einer einzelnen Bank. Es betrifft das gesamte Geldsystem. Die Tatsache, dass es möglich ist mit der GenialCard der Hanseatic Bank und der DKB Visa Card trotzdem Bargeld kostenfrei abzuheben, ist dem Umstand geschuldet, dass der Einsatz einer Kreditkarte für bargeldlose Transaktionen bequem und einfach ist. Die Kartenherausgeber hoffen also darauf, dass die Kreditkarte überwiegend für bargeldlose Transaktionen benutzt wird. Da der physische Währungstausch im Ausland durch den Einsatz einer Kreditkarte wegfällt, ist dies auch die einfachste Möglichkeit, den Zahlungsverkehr auf Reisen sicherzustellen. Das Kreditinstitut hofft also, dass wir die Karte für den bargeldlosen Zahlungsverkehr benutzen, weil es viel einfacher ist. Das wird durch unterschiedliche Anreizen gefördert. Eine Gratisnacht bei Hilton verdienen oder Cashback an der Tankstelle durch die BMW Card von American Express.

Giralgeld muss Buchgeld bleiben

So liegen die Vorteile des Giralgeldes auf der Hand. Für uns ist es bequemer, für die Bank ist das Risiko kleiner und selbst die gesammelten Meilen und Punkte gibt es ja auch nur virtuell. So erklärt sich der gute Gegenwert zum Einlösen für Prämienflüge. Für die Fluggesellschaften ist ein Prämienflug wie eine Art Verbindlichkeit in den Büchern. Also ein rechnerischer Verlust. Buchgeld eben! Wenn wir mit den Meilen diverse Gegenstände im Lufthansa World Shop bestellen oder bei REWE den Käse bezahlen, bekommen wir einen realen Gegenwert. Für uns Vielreisende aber die reinste Verschwendung und der schlechteste Gegenwert.

Die weiteren Vorteile des virtuellen Geldes liegen auf der Hand: Zum einen wird das Diebstahlrisiko gemindert, weil kein Bargeld gestohlen werden kann. Eine Karte lässt sich nach Verlust sperren, so dass damit kein Unfug mehr getrieben werden kann. Straftaten oder Steuerdelikte sind viel schwerer durchzuführen, denn der bargeldlose Zahlungsverkehr kann auch im Nachhinein gut nachvollzogen werden. Allerdings macht uns das alle natürlich auch zu einem gläsernen Menschen. Was für den einen die Sicherheit ist, ist für den anderen eine Offenbarung der Interessen. Das ist aber eine andere Diskussion, die sehr kontrovers geführt wird.

Was bedeutet das Buchgeld für die Reisewelt?

Das Geldsystem ist eine komplizierte Angelegenheit. Es ist schon eine unheimliche Vorstellung, dass virtuelles Geld auf Knopfdruck entstehen und der Zahlungsverkehr überwacht werden kann. Natürlich ist es so, dass durch die Kreditkartentransaktionen für die Bank ersichtlich wird, dass wir mit dem Flugzeug geflogen sind. Aber das wird durch die Kontrollen am Flughafen sowieso erfasst. Irgendjemand weiß immer Bescheid.

Die Urlaubsreisen zählen zu den schönsten Momenten des Jahres und von daher freuen wir uns auch, wenn man uns günstige Angebote unterbreitet, weil man ja weiß was wir suchen. Auch das Meilensammeln ist toll, denn immerhin bekommen wir durch die virtuellen Meilen einen realen Flug nach Florida.

Nur wenige kennen die Tricks: Wir zahlen keine Gebühren für das Abheben von USD in Miami und sammeln dabei Prämienmeilen bei Miles and More. Eigentlich kostet der Einsatz der Miles and More Mastercard etwas, wenn wir damit Bargeld in einer fremden Währung abheben. Meilen gibt es dafür eigentlich nicht. Es ist zu verlockend, durch das Abheben von Bargeld Meilen für den nächsten Flug nach Gran Canaria zu sammeln, denn eigentlich geht das ja nicht. Eigentlich, eigentlich und wieder eigentlich. Aber wir sind ja schlau und wissen wie es trotzdem geht…

Mit der American Express BMW Card sammeln wir Cashback an der Zapfsäule oder setzen uns mit Hilfe unserer American Express Platinum Card in die Lounge am Flughafen, obwohl wir nur ein Economy Ticket gekauft haben. Die Stunde zum Flughafen nach Oslo, von wo aus wir kostenlos mit Scandinavian Airlines nach San Francisco fliegen, ist in der Economy kein Thema. Natürlich fliegen wir von dort in der Business Class, so dass wir nun in die SAS Lounge gehen. Durch die Meilen entlasten wir unser Girokonto, weil wir uns das Geld für die teuren Zusatzversicherungen beim Mietwagenverleih Avis sparen, denn die Kreditkarte bietet uns das alles.

Allein mit Bargeld wäre das in der Form nicht möglich. All das funktioniert mit dem Giralgeld. Ja es ist eine digitale Welt in der wir leben.

Für die Reisefreunde lassen sich aber spannende Reisemöglichkeiten ableiten, sodass wir mit dem notwendigen Wissen für vergleichsweise wenig Geld relativ oft in den Urlaub fahren oder fliegen können. Das funktioniert, weil es dieses künstliche Geld gibt.

Was ist Giralgeld? Das Giralgeld ist eine spannende Sache für die Reisekasse… Dennoch sollten wir dem ganzen Geschehen mit Respekt und etwas Ehrfurcht gegenüberstehen.

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